#61 Dürfen Menschen Macht "wollen"? (Kurzfolge) Serie "Macht", Folge 1/5

Shownotes

"Ich will mehr Verantwortung" sagt sich leicht im Bewerbungsgespräch. "Ich will mehr Macht" löst dagegen erstmal Stille aus. Dabei ist beides oft dasselbe.

Auftakt einer fünfteiligen Serie zum Thema Macht – einem der präsentesten und gleichzeitig am wenigsten offen besprochenen Themen in Unternehmen.

Mit Niklas Luhmanns Unterscheidung zwischen Autorität, Führung und Macht wird sichtbar, warum nur eine dieser drei Formen ohne Zustimmung auskommt – und was das mit Führungskräften macht, die sich in Entscheidungen im Kreis drehen.

Eine These, die gegen den Zeitgeist steht: Macht und Hierarchie sind nicht das Problem, sondern lösen eines, über das kaum gesprochen wird.

Teil 2: Wie Menschen auf Macht reagieren.

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Transkript anzeigen

00:00:03: Moment noch!

00:00:04: Überleben in der Arbeitswelt.

00:00:07: Der Podcast über Arbeitszufriedenheit, wirksame Zusammenarbeit und Zwischenmenschliches Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Kurzfolge von Moment noch.

00:00:18: Das ist eine Auftaktfolge zu einer kurzen Serie Zu einem allgegenwärtigen Thema in unserem Leben aber auch ganz besonders In Unternehmen das aber selten beim Namen genannt wird Nämlich das Thema Macht.

00:00:33: Die Serie hat fünf Folgen und es wird darum gehen, ob wir Macht eigentlich wollen dürfen.

00:00:38: Wie Menschen auf Macht reagieren?

00:00:41: Um die Macht der machtlosen?

00:00:43: Es wird darumgehen was Macht mit Menschen macht!

00:00:46: Und schließlich noch um die Frage wer eigentlich Macht bekommt.

00:00:51: Heute fange ich ganz vorne an nämlich mit der Frage Dürfen Wir Macht Eigentlich Wollen?

00:00:58: Da fange gleich praxisnah an.

00:01:02: Also stell dir vor, du bewirbst dich auf eine Führungsposition.

00:01:06: Es geht um einen großen Bereich ein paar hundert Mitarbeiter und ein ordentliches Budget Und irgendwann im Bewerbungsgespräch kommt die Frage Warum wollen sie diese Position haben?

00:01:17: Du antwortest Ich will mehr Macht!

00:01:21: Dann würde ich mal vermuten es würde erst einmal kurz still im Raum und jemand zumindest der Herr Erler anwesend ist wird sich was notieren.

00:01:30: Wenn du aber dagegen gesagt hättest, ich will mehr gestalten.

00:01:33: Ich möchte Verantwortung übernehmen oder was bewegen, dann klingt das schon deutlich gewohnter.

00:01:39: Nur eins ist sicher – wenn Du die Stelle bekommst, bekomm'st Du auch mehr Macht.

00:01:44: Darf's Entscheidungen treffen, die für andere Menschen gelten?

00:01:47: Du gibst Budgets frei oder lehnst sie ab, besetzt Stellen, setzt Prioritäten und wenn es drauf ankommt kannst Du eben Dinge durchsetzen obwohl Sie andere für falsch halten.

00:01:59: Und das musst du auch, weil es von dir erwartet wird.

00:02:02: Also warum darf man also Verantwortung wollen und Gestaltung und Einfluss?

00:02:07: Und bei Macht wird's irgendwie unangenehm.

00:02:10: Darüber solls in der Folge gehen!

00:02:12: Ich glaube wir haben ein ziemlich gespaltenes Verhältnis zu dem Begriff macht schon alleine sprachlich, wenn man mal schaut was es dafür Begriffe gibt.

00:02:20: Es gibt den Machtkampf, Machtspiele, Machthunger oder sogar Machtgier und eben den Machtmissbrauch Und ein Machtmensch ist ja auch eher niemand, mit dem man gerne zusammenarbeiten will.

00:02:34: Das ist einfach kein Kompliment – zumindest nicht für die meisten!

00:02:41: Ein Teil unseres schwierigen Verhältnisses zur Macht liegt wahrscheinlich genau darin, dass wir gedanklich sehr schnell eins dazu packen und nämlich meistens den Machtmessbrauch.

00:02:51: Das heißt, wenn wir macht hören, denken wir sehr schnell an jemanden der seine Position ausnutzt.

00:02:56: Der andere klein hält oder keine Wiederrede duldet.

00:03:00: Oder halt an jemandem, der Menschen spüren lässt wer hier das sagen hat.

00:03:05: und es gibt ja auch alles.

00:03:07: aber Macht- und Machtmissbrauch sind eben nicht dasselbe Und vielleicht sollte ich vorab nochmal ganz kurz eine gewisse Begriffsklärung vornehmen.

00:03:17: Da könnte man jetzt sehr tief einsteigen in Soziologie, Philosophie oder auch in die Systemtheorie.

00:03:23: aber dann wird es ein bisschen theoretisch.

00:03:27: Ich würde gerne zuerst mal über den Begriff Einfluss sprechen weil denen gibt's ja im Unternehmen auch überall.

00:03:35: Das heißt, jemand will eine Entscheidung verändern.

00:03:37: Jemand will, dass jemand anderes was macht oder ein Team soll in neuer Richtung mitgehen.

00:03:41: Oder sogar der Vorstand soll eine Investition unter einem Projekt zustimmen.

00:03:46: Aber nicht jeder Einfluss ist Macht!

00:03:50: Und da hat Niklas Luhmann an einer der bekanntesten Systemtheoretiker Matrei unterschiedliche Formen beschrieben über die Menschen Einfluß gewinnen können und das ist Autorität, Führung und Macht Klingt jetzt erst mal komisch.

00:04:07: Aber was ist damit gemeint?

00:04:09: Stell dir eine Besprechung vor und ein großes Projekt ist aus dem Ruder gelaufen.

00:04:15: Es ist teurer als geplant, der Termin wackelt Und es gibt gerade zwei Varianten auf den Tisch.

00:04:23: wie's damit weitergehen könnte?

00:04:25: Es sitzen acht Leute am Tisch zum Beispiel eine IT-Experten.

00:04:30: Die hat keine Führungsverantwortung und niemand im Raum berichten irgendeiner Form an sie.

00:04:35: Aber irgendwann sagt sie, Variante A können wir machen?

00:04:39: Dann sollte man aber wissen dass uns das spätestes beim Rollout um die Ohren fliegt.

00:04:43: Da wird es erst mal still, jemand fragt warum und sie erklärt's Und danach sieht die Variante a schon ziemlich schlecht aus.

00:04:54: Sie hat nichts entschieden und kann noch nichts anweisen, aber ihre Einschätzung hat Gewicht weil die anderen ihr Kompetenz zuschreiben.

00:05:02: Und diese Form des Einflusses nennt man Autorität, also die fachliche Autoritet.

00:05:08: Die jemand quasi seiner Fachkompetenz zugeschrieben bekommt.

00:05:12: Dann gibt es aber in der Runde noch jemanden, der formal nicht besonders wichtig ist und auch nicht der größte Experte.

00:05:20: Aber immer wenn Diskussionen festhängen schauen irgendwann alle zu ihm, sind sehr erfahrene Mitarbeiter.

00:05:27: Der kann unterschiedliche Interessen zusammenbringen, eine Diskussion sortieren und eine Richtung anbieten.

00:05:34: Und irgendwann sagt er, okay dann lass es uns doch jetzt so machen und die anderen gehen mit nicht weil sie müssen sondern weil sie ihm folgen.

00:05:44: Diese Form des Einflusses nennt man Führung.

00:05:46: das ist was was zugeschrieben wird also andere Führungen funktioniert wenn andere Menschen einer Person und dem was sie sagt folgen.

00:05:57: und dann haben wir noch die dritte Form von Einfluss.

00:06:00: Der Bereichsleiter ist natürlich auch im Raum.

00:06:03: Alle Argumente sind ausgetauscht, es wurde diskutiert, abgewogen, widersprochen und trotzdem sind sich am Ende nicht alle einig.

00:06:11: Und irgendwann sagt er gut ich habe die Argumende jetzt gehört wir stoppen Variante A Ab Montag gehen wir mit Variant B weiter.

00:06:21: Dann widerspricht nochmal einer und eine andere hält A weiterhin für die bessere Lösung.

00:06:25: aber der Bereichsleitor sagt verstehe ich und trotzdem entscheide ich das jetzt so.

00:06:29: Also wird dann B gemacht, nicht weil er alle überzeugt hat sondern weil er entscheiden kann.

00:06:34: Seine Position gibt ihm die Möglichkeit Und diese Form des Einflusses nennt Luma in seinem Konzept Macht.

00:06:46: Das ist also die formal zugeschriebene Variante von Einfluß.

00:06:54: Also du siehst hier drei Menschen haben Einfluchs auf das was passiert.

00:06:59: Die eine, weil man ihrer fachlichen Einschätzung vertraut.

00:07:02: Dem anderen folgen die Menschen freiwillig und der Dritte kann Kraft seiner Position etwas festlegen das auch für diejenigen gilt, die anderer Meinung sind also Autorität Führung und Macht.

00:07:15: Und genau die letzte Form von Einfluss hat es eben in sich Weil bei Macht ist die Zustimmung eben nicht erforderlich.

00:07:24: Und genau an dem Punkt begegnet mir Macht immer wieder auch im Coaching von Führungskräften.

00:07:30: Und zwar sind das oft Führungskräfte, die beteiligen ihre Mitarbeiter, hören Argumente diskutieren, drehen vielleicht noch eine Runde haben ganz viel getan und verzweifeln dann vielleicht sogar weil sie nicht alle überzeugen konnten und sitzen da und sagen wir kommen einfach zu keine Entscheidung.

00:07:47: Wir drehen uns im Kreis und wenn man sich das mal genauer anschaut ist das Problem oft gar nicht dass Sie keine Entscheidungen treffen können weil sie nicht wissen, welche Sie treffen sollen.

00:08:00: Das Problem ist dass sie eine Entscheidung treffen müssten mit der nicht alle einverstanden sein werden und genau das fühlt sich für manche falsch an als hätten sie nicht genug moderiert oder es müsste einfach noch ein bisschen länger diskutieren dann gäbe es am Ende vielleicht doch ne Lösung mit der alle zufrieden sind.

00:08:19: aber genau daran erkennt meine echte Entscheidung nämlich wenn eine alternative eindeutig besser ist und alle das genauso sehen muss im Grunde niemand entscheiden.

00:08:29: Da nimmt man einfach die bessere Alternative.

00:08:32: Eine Entscheidung wirklich getroffen wurde erkennt man daran, dass es eben Leute gibt, die damit nicht einverstanden sind.

00:08:39: und genau dafür gibt's die formale Macht weil irgendjemand irgendwann sagen können muss ich habe eure Argumente gehört Ich entscheide das jetzt Und das erlebe ich tatsächlich manchmal Dass sich wirklich was ändert wenn meine Führungskraft an der Stelle der Knoten platzt Wenn sie akzeptiert.

00:08:56: Ich habe in dieser Rolle Macht und es gehört zu meiner Aufgabe, sie auch wahrzunehmen.

00:09:02: Und das fühlt sich interessanterweise nicht nur für die Führungskraft leichter an sondern oft auch für die Mitarbeiter.

00:09:11: Damit sind wir eben bei einer Funktion von Macht- und Hierarchie über die selten gesprochen wird oder viel zu wenig gesprochen wird.

00:09:18: Sie reduzieren Komplexität.

00:09:22: Also ein Unternehmen kann einen Interessenkonflikt nie so lange bearbeiten, bis niemand mehr ein Einwand hat.

00:09:29: Und je größer ein Unternehmen wird, desto offensichtlicher wird das.

00:09:34: Man kann natürlich hier Regien reduzieren, Entscheidungen dezentralisieren oder Teams mehr Entscheidungsrechte geben oder auch demokratischere Strukturen einführen – es kann alles sehr sinnvoll sein aber das Grundproblem verschwindet nicht!

00:09:48: Weil auch dann muss geregelt sein, wer entscheidend darf wenn unterschiedliche Interessen bestehen und keine Lösung alle zufrieden stellt.

00:09:58: Und Hierarchie beantwortet diese Frage eben auf eine ganz bestimmte Art und Weise.

00:10:04: Sie verteilt nämlich Entscheidungsbefugnisse und damit macht.

00:10:08: Der Nachtwahrnehm ist nicht das Gegenteil von guter Führung.

00:10:12: Ganz im Gegenteils sie ist ein notwendiger Teil davon.

00:10:17: Und deshalb sollten wir vielleicht ein bisschen weniger misstrauig sein, wenn jemand sagt ich will Macht.

00:10:22: Sondern erstmal genau hinschauen was jemand mit dieser Macht anfangen will.

00:10:27: Wo viel von mir in der ersten Folge zur Frage dürfen Menschen Macht wollen?

00:10:32: In der Folge zwei geht es damit weiter wie Menschen auf Macht reagieren.

00:10:37: da gibt's nämlich auch ganz unterschiedliche und spannende Muster!

00:10:46: Das war Moment noch über Leben in der Arbeitswelt.

00:10:49: Abonniere den Podcast, damit du keine Folge verpasst und lass gerne Bewertung oder einen Kommentar da!

00:10:56: Ich freue mich sehr über dein Feedback.

00:10:58: Bis zur nächsten Folge.

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