#63 Wie reagieren Mitarbeitende auf Macht? (Kurzfolge) Serie "Macht", Folge 2/5
Shownotes
Ein Vorgesetzter kommt in ein Meeting, setzt sich hin, sagt nichts weiter als "macht ruhig weiter" – und trotzdem verändert sich im Raum etwas. Jemand redet weniger, eine andere formuliert vorsichtiger, ein kritischer Punkt verschwindet aus der Diskussion. Macht muss nicht ausgeübt werden, um zu wirken. Es reicht, dass sie da ist.
In dieser Folge geht es um die Kosten von Macht aus der Perspektive derjenigen, die weniger davon haben. Die Forschung kennt dazu im Kern drei Reaktionsmuster: Vorsicht, Widerstand und, wenn beides über lange Zeit nichts bewirkt, Rückzug.
Es geht unter anderem um:
- warum Mitarbeitende ihre Vorgesetzten oft genauer beobachten als umgekehrt – ein Muster, das sich sogar bei Rangordnungen unter Rhesusaffen zeigt
- Reaktanz: das psychologische Phänomen, dass eingeschränkte Freiheit den Wunsch danach erst richtig weckt (mit einem klassischen Experiment von Jack Brehm)
- warum aus wiederholter Machtlosigkeit irgendwann Rückzug werden kann – und was das mit erlernter Hilflosigkeit (Martin Seligman) zu tun hat
- einen konkreten Hebel für Führung: Nicht jeder Einwand kann angenommen werden, aber jeder verdient eine erkennbare Reaktion
Teil einer kurzen Reihe zum Thema Macht. In der nächsten Folge: die Macht der Machtlosen – wie Menschen auch ohne offizielle Position Einfluss nehmen können.
Transkript anzeigen
00:00:03: Moment noch!
00:00:04: Überleben in der Arbeitswelt.
00:00:07: Der Podcast über Arbeitszufriedenheit, wirksame Zusammenarbeit und Zwischenmenschliches.
00:00:14: Ich begrüße Sie zu einer neuen Folge aus der kurzen Reihe zum Thema Macht.
00:00:19: In der ersten Folge habe ich ja darüber gesprochen was Macht eigentlich ist und warum sie auch ihre Daseinsberechtigung hat.
00:00:27: Und in dieser Folge will ich ein bisschen über die Kosten von Macht sprechen also über die Folgen.
00:00:33: Was macht Macht eigentlich mit denen auf der anderen Seite, also mit denen die keine oder weniger Macht haben?
00:00:41: Und da steige ich wieder mit einer Situation ein, die du wahrscheinlich aus deinem Arbeitsalltag zu gut kennst.
00:00:48: Also zumindestens wenn du schon bisschen länger im Arbeitsleben unterwegs bist.
00:00:53: Also stell dir vor, Du bist in einem Team meeting Es wird ganz offen diskutiert man widerspricht sich auch gegenseitig es werden paar Wittchen gemacht und dann geht die Tür auf und der Vorgesetzte deines Vorgesetzten kommt dazu.
00:01:07: Und vielleicht einfach nur, weil er zufällig Zeit hat.
00:01:11: Er setzt sich hin und sagt macht einfach weiter ich höre nur ein bisschen zu und dann machen auch alle weiter.
00:01:18: Nur vielleicht nicht mehr.
00:01:18: ganz so wie vorher.
00:01:20: Einer redet vielleicht ein bisschen weniger eine andere formuliert vorsichtiger und kritischer Punkt, der vorher vielleicht noch lebhaft diskutiert wurde, kommt gar nicht mehr zur Sprache.
00:01:32: Dabei hat der Mann eigentlich gar nichts gemacht, er hat niemand unterbrochen.
00:01:36: Es gab keine Ansage, man hat noch nicht mal seine Meinung gesagt, er sitzt einfach nur da und trotzdem verändert sich was.
00:01:44: Und das ist ein ziemlich wichtiger Punkt bei Macht.
00:01:46: also sie wirkt nicht erst dann wenn jemand sie auch aktiv ausübt.
00:01:51: manchmal reicht einfach wenn jemand anwesend ist, der sie hat.
00:01:56: Jetzt zur Frage Was macht denn Macht mit Menschen die weniger davon haben?
00:02:02: Da gibt es so drei wesentliche Reaktionen.
00:02:06: Also die einen reagieren vorsichtiger, andere leisten Widerstand wenn macht ihren Handlungsspielraum einschränkt.
00:02:16: und das dritte ist Wenn Menschen über den langen Zeitraum erleben dass weder das eine noch das andere was verändert dann kann Rückzug folgen.
00:02:26: Und die drei Reaktion schaue ich mir jetzt nochmal genauer an.
00:02:29: fangen wir mit der Vorsicht an.
00:02:31: da hat eine Psychologische Forscherin Susan Feiske schon in den neunziger Jahren beschrieben, dass Macht dazu führt das Aufmerksamkeit asymetrisch verteilt ist.
00:02:43: Also ganz einfach gesagt wenn du Einfluss darauf hast was mit mir passiert dann habe ich einen ziemlich guten Grund dich ganz genau zu beobachten.
00:02:52: und andersrum gilt es natürlich nicht im selben Maß.
00:02:55: Und deshalb weiß ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin manchmal erstaunlich viel über den eigenen Chef.
00:03:02: Die können den Regelrecht lesen.
00:03:04: Also wann spreche ich ihn besser nicht an?
00:03:06: Was sind so die Themen, die man nicht ansprechen sollte oder wie ernst ist dieses?
00:03:12: machen sie einfach diese Denken tatsächlich gemeint und sowas lernt man dann erstaunlich schnell.
00:03:20: also das diese und dass diese Aufmerksamkeit dabei tatsächlich nach oben geht Das hat man übrigens sogar bei Jesus Apfel beobachtet.
00:03:31: Versuch kennen auch glaube ich viele, nämlich dass rang niedrigere Tiere sich stärker an anderen und insbesondere an ranghöhere Tieren orientieren.
00:03:43: Und ranghohe Tiere wiederum die mussten das deutlich weniger.
00:03:49: Das Beobachten der Mächtigen ist also offenbar ziemlich tief in sozialen Hierarchien verankert, also in der kompletten Biologie.
00:03:58: Nehmen wir jetzt nochmal unser Meeting Also der Vorgesetze, das Vorgesetzten kann jetzt ganz entspannt darüber nachdenken ob ein Fortschlag inhaltlich gut ist oder schlecht.
00:04:10: Jemand anderes im Raum denkt aber vielleicht über die gleiche Frage nach und zusetzt sich darüber ob er überhaupt was sagen soll oder wie es formuliert wie's ankommt und ob's das wert ist.
00:04:22: also zwei Menschen im selben Raum zum selben Thema aber nicht mit derselben Denklast.
00:04:29: Jetzt zur zweiten möglichen Reaktion, dem Widerstand.
00:04:33: Und das kennen wir wahrscheinlich auch alle.
00:04:35: Ein Kollegen oder die Kollegin bei denen eine klare Ansage ziemlich zuversicht... ...den Kollegen oder Die Kolleginnen bei denen ne klare ansage ziemlich zufallessig das Gegenteil auslöst.
00:04:49: Also wenn es heißt dass machen Sie jetzt bitte so?
00:04:51: Dann geht erstmal innerlich ne Schranke runter.
00:04:55: In der Psychologie nennt man das Reaktanz Und dieses Phänomen wurde in den Sechzigerjahren schon mal untersucht von Jack Brehm.
00:05:03: In einem seiner Experimente sollten Menschen Schaltplatten danach bewerten, wie attraktiv sie sie fanden und anschließend wurde ihnen dann mitgeteilt dass eine bestimmte Platte nicht mehr verfügbar wäre.
00:05:17: und bei der nächsten Bewertung wurde ausgerechnet diese Platte viel attraktiver.
00:05:22: Warum?
00:05:24: Weil eine Möglichkeit die vorher zur Verfügung stand einfach weg war.
00:05:27: Und das ist eben der Kern von Reaktanz.
00:05:30: Also darum geht es bei Reaktanzen, wenn Menschen das Gefühl haben dass ihre Entscheidungs- oder Handlungsfreiheit eingeschränkt wird dann entsteht oft der Impuls diese Freiheit wieder herzustellen.
00:05:43: und an dieser Stelle wird's für Macht interessant weil Macht eben Handlungsspielräume begrenzen kann und darauf reagieren nicht alle menschen mit Anpassung.
00:05:54: manchmal wird einfach Widerstand erzeugt und auch ganz offen gezeigt.
00:06:01: Ein Unternehmen sieht allerdings auch manchmal so aus nach dem Motto nach außen ja, das mache ich aber drei Monate später ist irgendwie wenig passiert.
00:06:10: Und kommen wir jetzt noch zur dritten Reaktion den Rückzug also eigentlich die folgenreichste weil Menschen nicht unbegrenzt auf Einschränkungen mit Widerstand reagieren.
00:06:24: Das heißt wenn ich immer wieder versuche einfluss zu nehmen und immer wieder erlebe, dass mein Verhalten am Ergebnis gar nichts verändert.
00:06:32: Dann kann das irgendwann darin münden, dass ich einfach aufhörst zu
00:06:37: versuchen.".
00:06:38: Und damit sind wir bei dem was Martin Seligman und andere als die sogenannte erlernte Hilflosigkeit untersucht haben.
00:06:47: Dabei ist nicht nur entscheidend, dass sich eine schlechte Erfahrung gemacht habe sondern entscheidender ist ob es ne Verbindung zwischen meinem Handeln und dem, was dann passiert gibt.
00:07:00: Also ganz einfach macht es einen Unterschied, was ich tue.
00:07:05: Das heißt Mitarbeiter der heute vielleicht in einem Meeting schweigt war vor fünf Jahren vielleicht der, der ja immer Ideen hatte bis er dann mal gelernt hat das bringt nichts.
00:07:14: Vielleicht wurden seine Einwände auch freundlich zur Kenntnis genommen hat genickt vielleicht so gesagt guter Punkt Und da ging's aber genauso weiter wie vorher.
00:07:24: Und genau da liegt Mechanismus, den Führung leicht übersehen kann.
00:07:29: Auch nämlich gar nicht die große Zurechtweisung.
00:07:32: Also keinem das interessiert hier niemanden.
00:07:35: oder in Machtwort Sondern es reicht meist ein viel unscheinbareres Muster.
00:07:42: Nämlich ein Einwand wird gehört aber nicht wirklich verhandelt.
00:07:45: also es wird gar nicht darauf reagiert.
00:07:48: Man hört eigentlich gar nichts mehr dazu was man gesagt hat und irgendwann entsteht da eine ganz rationale Lernerfahrung, ob ich was sage oder nicht.
00:07:58: Das macht überhaupt keinen Unterschied.
00:08:01: und genau das lässt sich natürlich beeinflussen durch Führung weil klar es kann ja nicht jeder Vorschlag der kommt angenommen werden ist klar.
00:08:11: uns kann auch nicht jede Einwand dazu führen dass ne Entscheidung geändert wird.
00:08:15: aber ein Beitrag sollte eine erkennbare Reaktion haben ein Ja einen Nein mit Begründung oder eine Diskussion Oder auch wir entscheiden trotzdem anders und zwar aus diesem Grund.
00:08:30: Also irgendwas das zeigt, es hat einen Unterschied gemacht dass du etwas gesagt hast Und genau diese Kosten von Macht sind die in Organisationen so leicht unsichtbar bleiben.
00:08:40: Menschen beobachten mehr wegen mehr Ab-Leistenwiderstand oder sie hören irgendwann auf überhaupt noch Einfluss nehmen zu wollen.
00:08:51: So viel von mir zur Frage was macht Macht mit Menschen die weniger davon haben?
00:08:57: Und in der nächsten Folge beschäftigen wir uns mit denen, über die wir heute auch schon gesprochen haben.
00:09:02: Nämlich mit der Macht der Machtlosen – also mit der Frage Wie können Menschen Macht ausüben?
00:09:09: Auch wenn sie offiziell gar keine haben!
00:09:12: Bis dahin Das war Moment noch Überleben in der Arbeitswelt.
00:09:19: Abonniere den Podcast damit du keine Folge verpasst und lass gerne Bewertung oder einen Kommentar da.
00:09:25: Ich freue mich sehr über dein Feedback.
00:09:27: Bis zur nächsten Folge!
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